Zum Zehnten Geburtstag meines ältesten Sohnes, wollte ich ein ganz besonderes Geschenk für ihn. Für mich war das einmal ein kleines Kofferradio, das ich von meiner Großmutter zum 10.ten Geburtstag geschenkt bekam und das noch heute in meiner Küche steht. Meine Vorstellung war, in unserem Fall, ein Gemeinschaftserlebnis mit dem Vater, nämlich ein „Vater-Kind-Schweißkurs“. Als das Projekt zu scheitern drohte, wurde es spontan zu einem „Mutter-Kind-Schweißkurs“ umfunktioniert. Obwohl solche Initiativen heute vielleicht keine Besonderheit mehr sind, stellten wir Frauen uns damals bewusst den Herausforderungen in einer Welt, die (noch) von Männern dominiert wurde.

Der Kurs begann dort, wo das Leben endet: auf dem Schrottplatz. Zugegeben, ich war im ersten Moment völlig erschlagen von dem monumentalen Anblick. Gigantische Berge aus metallischen Gegenständen türmten sich auf – in allen erdenklichen Farben schillernd, zerkratzt, dreckig und überzogen von einer feinen, staubigen Metallschicht. Es war ein Chaos, das faszinierte.

Mit der Zeit begann ich, genauer hinzusehen und entdeckte das „Schöne“ in fast jedem Element. Die Einzigartigkeit der Fundstücke faszinierte mich und beflügelte meine Fantasie. Ich sah vor meinem inneren Auge, wie meine „Findlinge“ in einem neuen Leben erstrahlen würden. Der genaue Weg dorthin war mir nebensächlich; meine Überzeugung, eine Lösung zu finden, war unerschütterlich.

Siehe dazu das kleine Video in altertümlicher Aufmachung, aber es gibt immer noch einen kleinen Einblick was ich erlebt und empfunden habe:

Zurück in der Werkstatt tauchte ich kopfüber in die Welt des Lichtbogenhandschweißens ein. Plötzlich drehte sich alles um grundlegende, aber entscheidende Fragen: Welche Teile ließen sich überhaupt miteinander verbinden? Wie viel Hitze und Nahtmaterial war nötig, um die Objekte präzise zu fixieren? Schnell begriff ich: Es war eine Gratwanderung aus Übung und Fingerspitzengefühl.

Der nächste Schritt war knifflig: die Befestigung der Fassungen an den Lampenfüßen. Da diese oft nicht leitend und somit nicht schweißbar waren, musste ich kreativ werden. Neue Herausforderungen erforderten neue Lösungen! Es war ein ständiges Aufsaugen von Wissen, ein Austausch mit faszinierenden Menschen und das Gewinnen neuer Erkenntnisse. Schließlich ging es ans Verkabeln der Kunststofffassungen. Was ich anfangs mühsam in einzelnen Arbeitsschritten – Kabel, Schalter, Stecker – zusammensetzte, kaufte ich später clevererweise vorgefertigt und farblich passend zu den Lampenfüßen ein.

Für die Lampenschirme begann ich zu tüfteln. Zuerst bastelte ich akribisch Pappmodelle, um ein Gefühl für die perfekten Proportionen und Größen zu entwickeln. Dann, endlich, fand meine langjährige Sammelleidenschaft für besondere Stoffe aus aller Welt eine würdige Anwendung! Durch das Kaschieren dieser einzigartigen Textilien wurde jeder Schirm zu einem unverwechselbaren Unikat – das i-Tüpfelchen auf jeder Junklight.

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