Wenn das neue Jahr anbricht, tauschen wir Wünsche für alles Gute und vor allem für das große Glück aus – doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem flüchtigen Begriff? Inspiriert von dieser alljährlichen Frage habe ich mich auf die Suche nach literarischen Antworten begeben und bin bei einem kleinen, aber gewichtigen Schatz von Wilhelm Schmid hängen geblieben.
Mit seinen kompakten Maßen von gerade einmal 10×15 cm ist dieses Büchlein selbst für Lesemuffel eine unschlagbare Einladung, sich auf das Thema einzulassen. Doch lass dich von der Größe nicht täuschen: Das Werk ist gespickt mit klugen, praxisnahen Gedankenanstößen, die auf einer fundierten philosophischen Basis und Schmids intensiven Erfahrungen als Gefängnisseelsorger beruhen. In einer wunderbar klaren und verständlichen Sprache verpackt, wird dieses Buch so zu einem wahren HEARTBIT – einem kleinen Impulsgeber mit großer Wirkung für Herz und Verstand.
Manchmal kommt es anders als man denkt
Denn statt den Kapiteln über das Glück, zog mich, beim ersten Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses, eine andere Überschrift sofort magisch an: „Das Glück, unglücklich zu sein“. Ein innerliches „Ach, endlich!“ entwich mir, denn schon lange spüre ich das tiefe Ungleichgewicht zwischen den makellosen, „perfekten“ Lebensentwürfen, die uns aus den sozialen Medien und aus Schaufenstern der Buchläden entgegenstrahlen, und der tatsächlichen Realität.
Die Wahrheit ist: Das Leben entfaltet sich in kraftvollen Kontrasten. Wie ich es bereits in meinem Artikel über das „Prinzip des Schaukelns“ beschrieben habe, pendelt unsere Existenz beständig zwischen lichten, glücklichen Momenten und tiefen, melancholischen Phasen. Alles im Leben strebt zu seinen Extremen – doch erst in der Balance, in jener Mitte, die beide Pole zulässt, liegt die wahre Leichtigkeit des Seins.
Genau hier schließt sich der Kreis zur Melancholie: Sie ist nicht der Gegenwind des Glücks, sondern das notwendige Gegengewicht auf unserer Lebensschaukel. Während uns die moderne Welt oft suggeriert, wir müssten permanent im „Hoch“ verweilen, zeigt einem die Lebenserfahrung, dass gerade die melancholischen Phasen jene Tiefe verleihen, die ein oberflächliches Dauergrinsen niemals bieten kann.
Was ist eigentlich Melancholie?
Die Melancholie ist weit mehr als bloße Traurigkeit; sie ist ein vielschichtiger Zustand der inneren Einkehr, der die Menschheit seit der Antike begleitet. Ursprünglich als Überschuss der „schwarzen Galle“ gedeutet, wandelte sich ihr Bild über die Jahrhunderte grundlegend. Während Aristoteles sie noch als Merkmal außergewöhnlicher Genies rühmte, stilisierte die Renaissance sie zum Symbol tiefer geistiger Arbeit – meisterhaft festgehalten in Dürers Melencolia I. In der Romantik wurde sie schließlich als „Weltschmerz“ zum Ausdruck einer tiefen Sehnsucht, bevor die moderne Psychologie begann, sie als eine untere Stufe zur Depression deklariert.
Im Gegensatz zur lähmenden Depression bleibt in der Melancholie die emotionale Verbindung zur Welt bestehen, was sie zu einem starken Motor für kreativen Ausdruck in Kunst und Musik macht. Ein konstruktiver Umgang mit diesen Phasen gelingt vor allem durch Akzeptanz und Reflexion: Wer die „schöne Traurigkeit“ annimmt, statt sie zu bekämpfen, kann sie zur Selbsterkenntnis nutzen und als schöpferische Kraft nutzen. Sanfte Aktivitäten an der frischen Luft helfen dabei, die Balance zu halten, ohne den wertvollen Raum für tiefes Nachdenken zu verlieren. Daneben kann man beim Musik hören Melancholie zelebrieren und im Tanz, der Malerei und/oder im Schreiben seinen Gedanken Ausdruck verschaffen. Nicht zuletzt ist auch die Erotik ein Mittel durch sinnliche Reize Hormone freisetzen, die uns helfen den Faden des Lebens nicht zu verlieren und in eine Depression abzustürzen.
Man kann Frieden finden, wenn man weiß, dass Depressionen nicht nur die geistig Schwachen, sondern jeden in ihrer langen Geschichte betroffen haben. Abraham Lincoln
Ich möchte an dieser Stelle herausstellen, dass der Zusammenhang zwischen Depression und unserem Lebensstil tief in unserer Biologie verwurzelt ist: Bewegung, Ernährung und Licht bilden ein kraftvolles Trio, das direkt auf die Gehirnchemie einwirkt. Während Bewegung wie ein natürliches Antidepressivum fungiert, indem sie Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin freisetzt, liefert eine gezielte Ernährung die notwendigen Bausteine für diese Glückshormone. Gleichzeitig ist Licht der essenzieller Taktgeber für unsere innere Uhr; besonders helles Morgenlicht hemmt das Schlafhormon Melatonin und fördert die Ausschüttung von Serotonin, was gerade bei saisonalen Tiefs entscheiden kann.
Wie kann man die neue Erkenntnis, trotz Antriebslosigkeit umzusetzen?
Hier hilft das Prinzip der kleinen Schritte in Kombination mit einem Count Down-Ritual: Statt eines kompletten Workouts reicht oft ein 5-minütiger Spaziergang, um die biologische Stressreaktion zu beruhigen. Wer zudem auf einfache, nährstoffreiche Lebensmittel setzt und morgens eine Lichtdusche nutzt – und sei es direkt am Nachttisch –, senkt die Hürden für den Alltag massiv. Ergänzt durch digitale Helfer wie Selfapy oder soziale Anker, also Freunde mit denen man gut reden kann, sind Faktoren, die sich als wirksame Stützen durch Routinen etablieren lassen.
Hier ein ultimativer „Starter-Vorsatz“ für das neue Jahr, um langfristig eine wohltuende Tagesroutine aufzubauen und zu etablieren.
Licht (Minuten 0–10): Der biologische Weckruf Setz dich direkt nach dem Aufwachen für 10 Minuten vor eine Tageslichtlampe (10.000 Lux) oder öffne das Fenster weit und schaue (nicht direkt in die Sonne) hinaus.
Warum: Das stoppt die Melatoninproduktion und signalisiert deinem Gehirn: „Der Tag beginnt.“ Das stabilisiert deinen zirkadianen Rhythmus.
Bewegung (Minuten 10–13): Die sanfte Aktivierung Mach im Stehen oder Sitzen drei Minuten lang einfache Dehnübungen oder kreise die Schultern. Wenn möglich, geh einmal kurz auf den Balkon oder vor die Tür.
Warum: Schon minimale Bewegung senkt den Kortisolspiegel und fördert die Durchblutung des Gehirns, was das Gefühl von „Nebel im Kopf“ lindern kann.
Ernährung (Minuten 13–15): Der Botenstoff-Boost Trink ein großes Glas Wasser und iss eine Kleinigkeit, die Tryptophan enthält (z. B. eine Handvoll Nüsse, eine Banane oder ein Glas Milch/Hafermilch).
Warum: Tryptophan ist die Grundsubstanz, aus der dein Körper Serotonin herstellt. Ohne diesen Baustoff kann die Stimmung biologisch kaum steigen.
Pro-Tipp für ganz schwere Tage: Wenn das Aufstehen unmöglich scheint, starte nur mit dem Licht (Lampe am Nachttisch). Das Licht allein kann oft die nötige Energie liefern, um die anderen beiden Schritte überhaupt erst zu ermöglichen.
…und an alle Männer, die hier lesen: Ihr habt bereits den Mythos gebrochen: ein Mann weint nicht und redet nicht über seine Gefühle. Jetzt kommt das nächste Level: richtig gut und gesund essen! – go for it!
Es muss nicht immer gleich der große Lebenswandel sein: Die nachfolgenden Lebensmittel erfordern keine Zubereitung und liefern sofort wichtige Nährstoffe für den Hirnstoffwechsel.
Walnüsse & Mandeln: Walnüsse gelten als Spitzenreiter für pflanzliches Serotonin und bieten wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Mandeln liefern zusätzlich Vitamin E zum Schutz der Nervenzellen.
Bananen: Sie sind ein klassisches „Mood Food“, da sie Tryptophan und Kohlenhydrate kombinieren, was die Aufnahme des Stoffes ins Gehirn erleichtert.
Dunkle Schokolade (mind. 70% Kakao): Enthält Antioxidantien und Magnesium, die Entzündungen hemmen und die Stimmung heben können.
Mein absoluter Lieblingssnack ist ein aufgeschnittenen Trocken-Feige(soft) mit Zartbitterschokolade bestrichen und einer Wallnuss oben drauf! Ist schnell gemacht und hält sich gut!
Nachfolgend noch einiges als „Greif-und-Kombinier“- Optionen
- Naturjoghurt oder Skyr mit Beeren: Griechischer Joghurt ist proteinreich; Beeren (besonders Blaubeeren) schützen das Gehirn durch Antioxidantien vor oxidativem Stress.
- Avocados: Sie enthalten gesunde Fette und Folsäure. Man kann sie einfach löffeln oder auf ein fertiges Vollkornbrot streichen.
- Vollkornbrot oder -cracker: Vollkornprodukte sorgen für einen stabilen Blutzuckerspiegel, was Stimmungsschwankungen vorbeugt.
- Nussmus (z. B. Erdnuss- oder Mandelmus): Perfekt als Dip für Apfelspalten oder auf Bananen, um gesunde Fette und Proteine zu ergänzen.
Zu gute letzt: Getränke gut – alles gut!
- Mineralwasser (magnesiumreich): Magnesium hilft bei der Entspannung von Nerven und Muskeln. Wasser ist nicht gleich Wasser! Kaufe dir einige Flaschen stilles Wasser und probiere es selber aus! Es ist ein Trugschluss, dass Leitungswasser immer ideal ist, weil es geprüftes Lebensmittel ist. Medikamentenrückstände werden bisher nicht oder kaum getestet. Zudem gibt es keine alte Wasserleitungen oder Warmwasseraufbereiter ohne Ablagerungen!
- Grüner Tee: Enthält L-Theanin, das die Wirkung des Koffeins, welches auch im grünen Tee enthalten ist, dämpft, aber ohne schläfrig zu machen. Eine gesunde Mitte also, die Konzentration und kognitive Leistung steigert.
Diese Einkaufsliste konzentriert sich auf Lebensmittel, die reich an Tryptophan (der Vorstufe von Serotonin), Omega-3-Fettsäuren und Magnesium sind. Alle Optionen sind so gewählt, dass sie ohne Kochen sofort verzehrt werden können, um die Hürde an antriebsarmen Tagen so gering wie möglich zu halten. Wenn du im Aufschwung bist, nutze sie und Informiere dich über Inhaltsstoffe in Lebensmitteln.
Bevorzuge unverarbeitete Rohkost und ungesalzene Nüsse, da hochverarbeitete Lebensmittel mit viel Zucker oft zu einem schnellen Energieabfall führen, der die depressive Stimmung verstärken kann.
Hilfe zur Selbsthilfe….
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…dieser Ausflug erschien mir wichtig! Im nächsten Artikel gehe ich mehr auf das empfohlen Büchlein ein.
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